Tierschutz?
Erinnern Sie sich an die Tierschutz-Spendenskandale in den 1990er und 2000er Jahren?
Damals gerieten der Verein “Arche 2000 Welttierhilfe” und später das “Deutsche Tierhilfswerk” in die Schlagzeilen, weil Vorstandsmitglieder in tausenden von Fällen Gelder veruntreut hatten und und sich des Betruges schuldig gemacht hatten. Laut Dogs-Magazin 2/2010 haben Mitglieder allein im Fall von “Arche 2000″ den Verein um 9,2 Million Euro erleichtert.
Im Falle des “Tierhilfwerk” handelte es sich laut der Zeitschrift sogar um die unglaubliche Summe von 31 Million Euro, die in die Taschen des Vorstandes gewandert sind, was zu Haftstrafen zwischen vier und zwölf Jahre für die Verantwortlichen führte.
Die Tageszeitung “TAZ” berichtete 2002 ausführlich über den Prozess.
Das Tierhilfswerk benannte den Verein 2006 in “Aktion Tier – Menschen für Tiere e. V.” um. Die Kritik an der Organisation und ihre Kooperationspartner reißt jedoch nicht ab.
Wie der Spiegel im Oktober 2009 berichtete, sammelt die “Aktion Tier” jährlich zwölf Millionen Euro an Spenden und Mitgliedsbeiträgen, doch laut dem Nachrichten-Magazin kommt nur ein Bruchteil den Tieren zugute. In diesem Zusammenhang berichtet das Magazin auch über ein undurchsichtiges Geflecht an Vereinen und Unternehmen.
So undurchsichtig, dass “die zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) der Aktion Tier 2008 die Genehmigung [versagte], in den Städten und Gemeinden des Landes um Mitglieder zu werben. Eine Überprüfung der Behörde ergab, dass es “erhebliche Zweifel an einer einwandfreien und zweckentsprechenden Verwendung der Spendengelder” gebe.” (Quelle: wikipedia.org, spiegel.de)
Auch die Organisation Charitywatch berichtet unter der Überschrift “Undurchsichtig und wenig Geld für Tierschutz” über die Zusammenhänge und Verstrickungen des Vereins.
Hier sei darauf hingewiesen, dass die Aktion Tier gerichtlich erfolgreich gegen den Spiegel vorgegangen ist. Mit Verweis auf die „polemischen Attacken“ und dem dadurch entstandenen erheblichen Schaden hat die Organisation vielen seiner Kooperationspartnern Ende 2009 die finanzielle Unterstützung entzogen, wie Sie hier nachlesen können.
Stefan Loipfinger von Charitywatch hat im Juni 2009 einige Zusammenhänge recherchiert und den Versuch unternommen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Er berichtet über das ehemalige Beiratsmitglied des DTHW Sigurd Tenbieg, der laut des Journalisten – zumindest was seine Ämter angeht – ein engagierter Tierschützer ist. Insbesondere seine Tätigkeit als 2. Vorsitzender beim “Bund deutscher Tierschützer” steht im Zentrum der Recherchen.
So sei der Niederrheiner in verschiedenen Tierschutzvereinen im Vorstand. Alleine sechs von diesen Vereinen haben ihren Sitz in der selben Adresse, ebenso wie sieben Unternehmen:
Eine Nachfrage bei der Stadt Kleve zu den Gewerbeanmeldungen mit der Anschrift Nassauermauer 2 ergab sieben Eintragungen. Offenbar ist die Familie mit jeweils eigenen Einzelunternehmen sehr aktiv. Die gemeldeten Tätigkeiten passen grundsätzlich zum Teil sehr gut zu Tierschutzvereinen. Von Einzelhandel mit Waren für den Bereich Tierbedarf bis zu Öffentlichkeitsarbeit reicht das Spektrum. Sigurd Tenbieg hat ein Einzelunternehmen unter anderem mit „Vermittlung von Dienstleistungen und Waren“ sowie „Presseagentur“ gemeldet.
(Quelle: http://www.charitywatch.de/index.asp?id=591)
Vorhergehende Recherchen hatten bereits im Frühjahr 2009 einige Merkwürdigkeiten zu Tage gefördert. Wie Loipfinger am 26.3.2009 berichtete, sind “die Ergebnisse [...] skandalträchtig.”
Zum Beispiel ist mit der Werbung/Öffentlichkeitsarbeit vom BdT (Bund deutscher Tierschützer, Anm. d. Red.) die Dialog Direkt Marketing GmbH (DDM) beauftragt, deren Firmensitz zufällig die gleiche Adresse aufweist, wie der Privatwohnsitz der Vorstandsvorsitzenden Martina Klein. … Laut Vorstand ist mit der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit vom Bund deutscher Tierfreunde die DDM beauftragt. Und der BdT-Jahresbericht weist allein 2007 für „Werbung/Allgemeine Öffentlichkeitsarbeit“ Ausgaben von knapp 680.000 Euro aus.
Weitere Unregelmäßigkeiten will Loipfinger in der Vereinssatzung des BdT festgestellt haben. So sei die beim Vereinsregister angeforderte Satzung vom August 2005 nicht identisch mit der auf der Homepage hinterlegten Version aus Juli 2006. (Stand 3.2009)
Insbesondere bemängelt Loipfinger, dass die Punkte, die die Verfolgung ausschließlich und unmittelbarer gemeinnützige Zwecke, gestrichen wurde.
Der Journalist fasst zusammen:
Der Verein ist auch nicht mehr selbstlos tätig. Darüber hinaus sind die Vorgaben gelöscht worden, dass Mitglieder keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereines erhalten dürfen und keine Person durch „unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt“ werden darf. In der Folge dürfte der Verein mit dieser Satzung keine Chance mehr haben, steuerlich als gemeinnützig anerkannt zu werden.
(Quelle: http://www.charitywatch.de/index.asp?id=516)
Neben mangelnder Transparenz stehen die Organisationen auch wegen fragwürdiger Mitglieder-Werbung in der Kritik. Im Internet finden sich dutzende von Erfahrungsberichten von Menschen, die auf der Straße angesprochen wurden. Die Vorgehensweise ist dabei augenscheinlich immer die selbe.
Mit der Frage, ob man tierlieb sei, wird man in ein Gespräch verwickelt, welches darauf hinausläuft, dass man eine Mitgliedschaft abschliessen soll. Will man dies nicht oder fragt nach weiteren Informationen, werden die Anwerber laut verschiedener Aussagen von Betroffenden schnell unfreundlich.
Wie sich der BdT gegenüber Kritikern verhält, kann auf der Internetseite der Organisation nachgelesen werden. Insbesondere die kritische Auseinandersetzung in den Tierrechtsforen von MAQI löste heftige Reaktionen von Seiten des Vereins in Richtung der Foren-Betreiber aus.
Außerdem werden laut Charitywatch und Spiegel gerne Anwälte mit der Wahrung der Interessen des BdT beauftragt.
Eine in den (Boulevard-)Medien omnipräsente Organisation steht übrigens auch in Verbindung mit dem obskuren Vereinsimperium: SOS Projects.
Der Spiegel berichtet, dass der Verein, der von der Millionärin Renate Thyssen-Henne gegründet wurde, regelmäßig mit hohen Zuschüssen von der Aktion Tier gesponsert wird.
Zum Einstand ließ sich Thyssen-Hennes millionenschwere Tochter Begum Inaara Aga Khan mit dem putzigen Hundewelpen “Joy” fotografieren – ein Bild, das prompt zum Siegeszug durch die bunten Blätter startete. Wenn es jedoch um einen Einblick in die Vereinsbilanzen geht, tut sich SOS Projects etwas schwerer. Stefan Loipfinger von charitywatch.de wurde die Erlaubnis dafür verweigert – eine eher unübliche Maßnahme.
Auch das NDR-Medienmagazin ZAPP berichtete im Januar 2010 über die Vorgehensweise der Organisation und die willfährige Zusammenarbeit der Medien. -> http://www.youtube.com/watch?v=eYi7fmiVxxY.
Natürlich muss jeder von uns selber entscheiden, in wie weit er oder sie einen Verein unterstützt. Nichts desto trotz erscheinen die Vorwürfe gegen die verschiedene Organisationen jedoch wenig vertrauenserweckend.